
Höhenkrankheit: Symptome, Prävention und wann umkehren
Geschrieben von Adrian Chelba — Alpinist, mehrfach am Mont Blanc über die Goûter-Route. Veröffentlicht am 25. Juli 2026
Das Wichtigste
- Ab 2.500 m möglich: 10–25 % unakklimatisierter Bergsteiger zeigen dort leichte AMS-Symptome, ab 4.500–5.500 m sind es 50–85 %.
- Leitsymptom: Kopfschmerz, kombiniert mit Übelkeit, Appetitlosigkeit, Schwindel, Müdigkeit oder Schlafstörung.
- Diagnosekriterium: Lake-Louise-Score ab 3 Punkten bei vorhandenem Kopfschmerz, gemessen ab 6 Stunden nach Höhenexposition (Konsens 2018).
- Präventionsregel: max. 300–500 Höhenmeter Schlafhöhengewinn pro Tag oberhalb von 2.500–3.000 m, Ruhetag alle 3–4 Tage.
- Schwere Formen: Höhenlungenödem (HAPE) und Höhenhirnödem (HACE) sind lebensbedrohlich und erfordern Sofortabstieg.
Was ist Höhenkrankheit?
Höhenkrankheit (Bergkrankheit, D'Acosta-Krankheit) ist ein Syndrom, das entsteht, wenn sich der Körper nicht schnell genug an die sinkende Sauerstoffkonzentration in großer Höhe anpasst. Mediziner unterscheiden drei Formen: die akute Bergkrankheit (AMS) als häufigste und meist harmlose Form, sowie die beiden lebensbedrohlichen Ödemformen Höhenlungenödem (HAPE) und Höhenhirnödem (HACE).
Ab welcher Höhe tritt Höhenkrankheit auf?
Erste Symptome sind selten bereits zwischen 2.000 und 2.500 m möglich, häufiger ab 2.500 m: 10 bis 25 % unakklimatisierter Bergsteiger zeigen dort leichte Anzeichen. Zwischen 4.500 und 5.500 m steigt die Rate auf 50 bis 85 %. Körperliche Fitness schützt kaum davor — auch trainierte Alpinisten sind nicht automatisch immun.
Symptome und der Lake-Louise-Score
Leitsymptom ist Kopfschmerz, meist beidseitig an Stirn und Schläfen, kombiniert mit Übelkeit, Appetitlosigkeit, Schwindel, Müdigkeit oder Schlafstörung. International wird AMS über den Lake-Louise-Score diagnostiziert: Kopfschmerz plus mindestens ein weiteres Symptom aus den Bereichen Magen-Darm, Erschöpfung und Schwindel, jeweils von 0 (keine Beschwerden) bis 3 (schwer) bewertet. Ein Gesamtwert ab 3 Punkten bei vorhandenem Kopfschmerz, gemessen frühestens 6 Stunden nach Erreichen der Höhe, gilt nach dem internationalen Konsens von 2018 als diagnostizierte AMS.
Prävention: die 300-Meter-Regel
Die entscheidenden Akklimatisationsprozesse laufen im Schlaf ab — maßgeblich ist deshalb nicht die tagsüber erreichte Höhe, sondern die Schlafhöhe der Nacht. Anerkannte Faustregel: oberhalb von 2.500 bis 3.000 m nicht mehr als 300 bis 500 Höhenmeter Schlafhöhengewinn pro Tag, mit einem Ruhetag alle 3 bis 4 Tage. Eine Trekkingstudie belegt den Effekt konkret: Bei durchschnittlich 400 Höhenmetern Schlafhöhengewinn pro Tag lag die AMS-Rate viermal höher als bei 300 Metern; wer 3.500 m über vier Tage statt in einer Stunde erreicht, senkt sein AMS-Risiko um 41 %.
Wann umkehren oder absteigen?
Bei ersten Symptomen gilt: nicht weiter aufsteigen, sondern auf der aktuellen Höhe pausieren, bis die Beschwerden abklingen — oft genügen ein bis zwei Tage. Ibuprofen oder Aspirin lindern die Kopfschmerzen. Verschlechtern sich die Symptome trotzdem, ist der sofortige Abstieg um mindestens 500 Höhenmeter Pflicht.
Höhenlungenödem und Höhenhirnödem: die gefährlichen Formen
Das Höhenlungenödem (HAPE) zeigt sich durch plötzlichen Leistungsabfall und schwere Atemnot; blutiger Auswurf signalisiert akute Gefahr. Das Höhenhirnödem (HACE) äußert sich durch Gangunsicherheit (Ataxie) und Bewusstseinstrübung. Beide Formen sind lebensbedrohlich und erfordern sofortigen, begleiteten Abstieg von 500 bis 1.000 Höhenmetern; verfügbarer Sauerstoff und Dexamethason (initial 8 mg, danach 4 mg alle 6 Stunden) überbrücken bis zum Abstieg.
Höhenkrankheit: Schwellenwerte und Maßnahmen im Überblick
| Schwelle / Kriterium | Bedeutung |
|---|---|
| Ab 2.500 m | AMS möglich — 10–25 % unakklimatisierter Bergsteiger betroffen |
| 4.500–5.500 m | AMS-Rate steigt auf 50–85 % |
| Lake-Louise-Score ab 3 + Kopfschmerz | Diagnosekriterium AMS (ab 6 Std. nach Höhenexposition) |
| Max. 300–500 Hm Schlafhöhengewinn/Tag | Präventionsregel oberhalb von 2.500–3.000 m |
| Verschlechterung der Symptome | Sofort mind. 500 Hm absteigen |
| HAPE-/HACE-Verdacht | Sofortiger begleiteter Abstieg 500–1.000 Hm, Sauerstoff, ggf. Dexamethason |



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FAQ
Ab welcher Höhe kann Höhenkrankheit auftreten?
Ab etwa 2.500 m sind erste Symptome möglich; 10–25 % unakklimatisierter Bergsteiger zeigen dort leichte Anzeichen, ab 4.500–5.500 m sind es 50–85 %.
Was tun bei Symptomen der Höhenkrankheit?
Nicht weiter aufsteigen, Ruhetag einlegen; bei Verschlechterung mindestens 500 Höhenmeter absteigen.
Wie viele Höhenmeter pro Tag sind oberhalb von 3.000 m sicher?
Die anerkannte Faustregel liegt bei maximal 300 bis 500 Höhenmetern Schlafhöhengewinn pro Tag, mit einem Ruhetag alle 3 bis 4 Tage.
Was ist der Lake-Louise-Score?
Ein 2018 aktualisiertes Diagnoseinstrument: Ein Wert ab 3 Punkten bei vorhandenem Kopfschmerz, gemessen ab 6 Stunden nach Erreichen der Höhe, gilt als AMS.
Was ist der Unterschied zwischen Höhenlungenödem und Höhenhirnödem?
Das Höhenlungenödem (HAPE) zeigt sich durch plötzlichen Leistungsabfall und schwere Atemnot, das Höhenhirnödem (HACE) durch Gangunsicherheit und Bewusstseinstrübung — beide sind lebensbedrohlich und erfordern Sofortabstieg.
Senkt langsames Aufsteigen wirklich das Risiko?
Ja: Wer 3.500 m über vier Tage statt in einer Stunde erreicht, senkt laut einer zitierten Trekkingstudie das AMS-Risiko um 41 %.
Kann Höhenkrankheit auch trainierte Bergsteiger treffen?
Ja — die individuelle Höhentoleranz hängt kaum von der körperlichen Fitness ab, auch austrainierte Alpinisten sind nicht automatisch geschützt.