
Ortler besteigen: Südtirols höchster Gipfel und die Geschichte des Gebirgskriegs
Geschrieben von Adrian Chelba — Alpinist, mehrfach am Mont Blanc über die Goûter-Route. Veröffentlicht am 25. Juli 2026 · Aktualisiert am 26. Juli 2026
Das Wichtigste
- Höhe: 3.905 m (italienische Vermessung) — höchster Gipfel Südtirols.
- Erstbesteigung: 27. September 1804 durch Josef Pichler, Johann Klausner und Johann Leitner.
- Normalweg: Nordgrat ab Payerhütte (3.020 m), UIAA III−, bis 40° steiles Eis/Firn.
- Bis 1919 höchster Punkt Österreich-Ungarns — seither Teil Italiens (Südtirol).
- Erster Weltkrieg: 7-cm-Gebirgskanone auf 3.850 m — die höchste Geschützstellung Europas.
Ein Gipfel, zwei Vermessungen
Nach italienischer Vermessung misst der Ortler 3.905 m; ältere deutsch-österreichische Angaben nennen 3.899 bis 3.902 m. Er liegt in den Ortler-Alpen in Südtirol (Italien) und ist der höchste Gipfel der Provinz und der gesamten Ortlergruppe.
Die Erstbesteigung 1804
Der Gamsjäger Josef Pichler aus St. Leonhard in Passeier — genannt Pseyrer Josele — erreichte den Gipfel am 27. September 1804 gemeinsam mit Johann Klausner und Johann Leitner, ohne Seil und Eispickel, über die Route „Hintere Wandln“. Im Auftrag von Erzherzog Johann von Österreich hatte Dr. Johannes Gebhard die Expedition vorbereitet. Ein Jahr später fand Pichler mit dem Hintergrat einen weiteren, bis heute beliebten Zustieg von Sulden aus.
Der Normalweg über die Payerhütte
Der heutige Normalweg führt von der Payerhütte (3.020 m) über den Nordgrat, quert das Tschierfeck und den Oberen Ortlerferner — dort bis zu 40° steiles Eis und Firn — und erreicht den Gipfel in 3 bis 5 Stunden. Die Kletterschwierigkeit liegt bei UIAA III−.
Bis 1919 das Dach Österreich-Ungarns
Bis Südtirol nach dem Ersten Weltkrieg 1919 an Italien fiel, war der Ortler der höchste Punkt der gesamten Habsburgermonarchie. Seither gehört er zu Italien und ist der höchste Berg der Provinz Südtirol.
Der Ortler im Ersten Weltkrieg: die höchste Geschützstellung Europas
Im Gebirgskrieg 1915–1918 brachten österreichische Truppen eine 7-cm-Gebirgskanone M 1899 in die Gipfelzone auf 3.850 m — die höchste Geschützstellung Europas. Das Geschütz ist heute im Heeresgeschichtlichen Museum Wien ausgestellt.
Ortler: Kennzahlen im Überblick
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Höhe (italienische Vermessung) | 3.905 m |
| Erstbesteigung | 27. September 1804 |
| Normalweg | Nordgrat ab Payerhütte, UIAA III− |
| Payerhütte | 3.020 m |
| Höchste Geschützstellung (1. Weltkrieg) | 3.850 m |



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FAQ
Wie hoch ist der Ortler?
3.905 m nach italienischer Vermessung — der höchste Gipfel Südtirols und der Ortler-Alpen.
Wann wurde der Ortler erstbestiegen?
Am 27. September 1804 durch den Gamsjäger Josef Pichler mit Johann Klausner und Johann Leitner, im Auftrag von Erzherzog Johann von Österreich.
Wie schwer ist die Besteigung des Ortlers?
Der Normalweg über den Nordgrat ist mit UIAA III− bewertet, mit bis zu 40° steilem Eis und Firn am Oberen Ortlerferner.
Warum war der Ortler einst der höchste Berg Österreichs?
Bis Südtirol 1919 an Italien fiel, war der Ortler der höchste Punkt Österreich-Ungarns.
Welche Rolle spielte der Ortler im Ersten Weltkrieg?
Auf 3.850 m stand eine österreichische 7-cm-Gebirgskanone — die höchste Geschützstellung Europas, heute im Heeresgeschichtlichen Museum Wien ausgestellt.
Welche Hütte ist Ausgangspunkt für den Ortler?
Die Payerhütte (3.020 m), von der aus der Normalweg über den Nordgrat startet.