
Watzmann besteigen: Normalweg, Überschreitung und die berüchtigte Ostwand
Geschrieben von Adrian Chelba — Alpinist, mehrfach am Mont Blanc über die Goûter-Route. Veröffentlicht am 25. Juli 2026 · Aktualisiert am 6. August 2026
Das Wichtigste
- Höchster Punkt: Mittelspitze, 2.713 m; Erstbesteigung im August 1800 durch den slowenischen Bergsteiger Valentin Stanič.
- Überschreitung: Hocheck (2.651 m) → Mittelspitze (2.713 m) → Südspitze (2.712 m).
- Watzmannhaus (Hütte): 1.930 m, Ausgangspunkt für Überschreitung und Normalweg.
- Ostwand: ca. 1.800 m, höchste Wand der Ostalpen, über 100 Todesopfer seit 1881.
- Der Watzmann liegt seit 1978 im Nationalpark Berchtesgaden, seit 1990 UNESCO-Biosphärenreservat.
Der Normalweg zum Watzmannhaus
Der Normalweg führt von Ramsau oder St. Bartholomä am Königssee zum Watzmannhaus (1.930 m), einer bewirtschafteten Hütte, die als Ausgangspunkt für die Überschreitung und für den Aufstieg zum Hocheck dient. Der Weg ist anspruchsvoll, aber ohne Kletterei — der eigentliche alpinistische Anspruch beginnt erst oberhalb der Hütte.
Die Watzmann-Überschreitung
Die Überschreitung der drei Hauptgipfel — Hocheck (2.651 m), Mittelspitze (2.713 m) und Südspitze (2.712 m) — ist erfahrenen und konditionsstarken Bergsteigern vorbehalten. Je nach Fitness steigt man über den Normalweg ins Wimbachtal ab oder kehrt zum Ausgangspunkt zurück.
Erstbesteigung 1800: Valentin Stanič
Die Mittelspitze wurde im August 1800 erstmals bestiegen — vom Hocheck aus, durch den slowenischen Priester und Bergsteiger Valentin Stanič. Nur wenige Tage zuvor hatte derselbe Stanič als Teil der wissenschaftlichen Expedition zur Erstbesteigung des Großglockners (28. Juli 1800) auf dessen Gipfel gestanden — zwei Alpen-Erstbesteigungen desselben Jahres, verbunden durch eine einzige Person. Der Watzmann besteht geologisch aus Dachstein- und Plattenkalk der Trias, rund 215 Millionen Jahre alt.
Die Watzmann-Ostwand: höchste Wand der Ostalpen
Mit etwa 1.800 Metern Höhe vom Königssee bis zur Südspitze ist die Ostwand die höchste Wand der Ostalpen. Am 18. Juni 1881 durchstieg der Bergführer Johann Grill („Kederbacher“) gemeinsam mit dem Wiener Alpinisten Otto Schück erstmals die Wand über die heute als Kederbacherweg bekannte Route — die beiden benötigten rund 14 Stunden. Das erste Todesopfer der Wand war 1890 der Münchner Christian Schöllhorn; 1947 war mit sieben Toten am gesamten Watzmann das bislang tödlichste Jahr.
Achtung
Seit der Erstbegehung sind über 100 Menschen in der Ostwand ums Leben gekommen — mehr als an der Eiger-Nordwand. Die traurige Marke von 100 Todesopfern wurde am 10. Juli 2010 erreicht, als ein 52-Jähriger am Kederbacherweg rund 100 m abstürzte.
Heinz Zembsch: Rekordhalter der Ostwand
Kein anderer hat die Ostwand so oft durchstiegen wie der Bergführer Heinz Zembsch: Mit 14 Jahren stieg er 1957 erstmals ein.
Die Watzmannsage
Die markante Silhouette des Massivs — Watzmannfrau (Kleiner Watzmann, 2.307 m) und die „sieben Kinder“ — nährt seit Generationen die Watzmannsage: Ein grausamer König Watze soll dort mitsamt seiner Familie zur Strafe versteinert worden sein. Die Sage ist Legende, nicht Geschichte — aber sie erklärt, warum der Watzmann im Berchtesgadener Land einen fast mythischen Status genießt.
Watzmann: Kennzahlen im Überblick
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Mittelspitze (höchster Punkt) | 2.713 m |
| Hocheck / Südspitze | 2.651 m / 2.712 m |
| Watzmannfrau (Kleiner Watzmann) | 2.307 m |
| Erstbesteigung Mittelspitze | August 1800, Valentin Stanič |
| Ostwand, Höhe | rund 1.800 m — höchste Wand der Ostalpen |
| Erstdurchsteigung Ostwand | 18. Juni 1881, Johann Grill & Otto Schück, rund 14 Std. |
| Todesopfer Ostwand seit 1881 | über 100 |
| Nationalpark Berchtesgaden | seit 1978, UNESCO-Biosphärenreservat seit 1990 |



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FAQ
Wie hoch ist der Watzmann?
Die Mittelspitze, der höchste Punkt, misst 2.713 m — der höchste Berg im Berchtesgadener Land.
Was ist die Watzmann-Überschreitung?
Die Traverse der drei Hauptgipfel Hocheck, Mittelspitze und Südspitze — nur für erfahrene, konditionsstarke Bergsteiger.
Warum ist die Watzmann-Ostwand so gefährlich?
Mit rund 1.800 m ist sie die höchste Wand der Ostalpen; seit der Erstbegehung 1881 hat sie über 100 Todesopfer gefordert.
Wo liegt der Watzmann?
Im Berchtesgadener Land (Oberbayern), in den Gemeinden Ramsau und Schönau am Königssee.
Wer hat den Watzmann zuerst bestiegen?
Der slowenische Bergsteiger Valentin Stanič erreichte die Mittelspitze im August 1800, wenige Tage nach seiner Teilnahme an der Erstbesteigung des Großglockners.
Wer ist am häufigsten durch die Watzmann-Ostwand geklettert?
Bergführer Heinz Zembsch: Er stieg erstmals 1957 mit 14 Jahren ein und kam bis 2023 auf 411 Durchsteigungen.
Wann wurde die 100-Todesopfer-Marke in der Ostwand erreicht?
Am 10. Juli 2010, als ein 52-jähriger Mann am Kederbacherweg rund 100 m abstürzte — von der bayerischen Presse als „trauriger Rekord“ bezeichnet.