Berghütte auf einem schmalen Felsgrat auf großer Höhe, umgeben von Gletschern

    Die Goûter-Route: Schritt für Schritt auf den höchsten Gipfel der Westalpen

    Geschrieben von Adrian ChelbaAlpinist, mehrfach am Mont Blanc über die Goûter-Route. Veröffentlicht am 17. Mai 2026 · Aktualisiert am 1. September 2026

    Die Goûter-Route (PD−) ist die meistbegangene Route auf den Mont Blanc. Sie führt vom Nid d'Aigle (2.372 m) über das Refuge de Tête Rousse, den Grand Couloir, das Refuge du Goûter (3.835 m) und den Dôme du Goûter (4.304 m) zum Gipfel (4.805,59 m) — insgesamt rund 2.300 Höhenmeter ab dem Nid d'Aigle.

    Das Wichtigste

    • Schwierigkeit: PD− (bei schlechten Bedingungen auch AD zitiert).
    • Höhendifferenz: ca. 2.300 m ab Nid d'Aigle.
    • Schlüsselstelle: der Grand Couloir (Steinschlaggefahr, Querung vor 10 Uhr).
    • Hütte: Refuge du Goûter (3.835 m), Reservierung seit 2019 Pflicht.
    • Zeitplan: rund 2 Std. Nid d'Aigle–Tête Rousse, weitere 3 Std. bis zum Refuge du Goûter.

    Der Aufstieg im Überblick

    Vom Nid d'Aigle (2.372 m, Zugang per Tramway du Mont-Blanc ab Saint-Gervais) führt der Weg zunächst zum Refuge de Tête Rousse (3.167 m) — rund 2 Stunden Gehzeit. Seit der Eröffnung der 280 m verlängerten Streckenführung am 27. Juni 2026 hält der Tramway direkt am Fuß der Nid-d'Aigle-Hütte, rund 300 m näher als zuvor.

    Von dort quert man den Grand Couloir — statistisch der unfallträchtigste Abschnitt der Route — und steigt in weiteren rund 3 Stunden zum Refuge du Goûter (3.835 m) auf, wo übernachtet wird.

    Am zweiten Tag geht es vor Sonnenaufgang über den Dôme du Goûter (4.304 m) und den Arête des Bosses zum Gipfel (4.805,59 m).

    Der Grand Couloir: Sicherheit hat Priorität

    Steinschlag im Couloir wird durch die Tageserwärmung ausgelöst.

    75 %der Steinschläge ereignen sich zwischen 10 und 16 Uhr, Höhepunkt zwischen 11 und 12 UhrStudie von Jacques Mourey / Fondation Petzl

    Achtung

    Die Querung muss deshalb vor 10 Uhr morgens erfolgen, idealerweise in der Dämmerung.

    102 Tote, 230 Verletzteim Couloir zwischen 1990 und 2017 (347 Rettungseinsätze, ⌀ 3,7 tödliche Unfälle pro Sommersaison) — die höchste Unfallfrequenz der AlpenFondation-Petzl-Studie, chamonix.net

    Hütten und Reservierung

    Die Reservierung im Refuge du Goûter ist seit einem Präfekturerlass vom 31. Mai 2019 verpflichtend und erfolgt ausschließlich über montblanc.ffcam.fr. Plätze für Juli/August sind oft innerhalb weniger Minuten nach Öffnung der Buchung (im April) ausgebucht.

    Der Neubau von 2013: ein energieautarkes Bauwerk

    Das heutige Refuge du Goûter wurde am 27. Juni 2013 eröffnet — ein ovoider Baukörper, entworfen von Groupe H und DecaLaage Architecture. Die Form bricht den Wind und lässt Schnee seitlich abgleiten.

    128gebogene Edelstahlpaneele bilden die Außenhülle des NeubausMaison à Part

    Solarthermie, Photovoltaik und eine Biomasse-Kraft-Wärme-Kopplung machen die Hütte während der dreimonatigen Sommersaison weitgehend energieautark.

    Goûter-Route auf den Mont Blanc
    Mont Blanc, höchster Gipfel Westeuropas
    Couloir du Goûter — exponierte Felspassage der Normalroute

    Weiterlesen

    FAQ

    Wie schwierig ist die Goûter-Route?

    PD− (Peu Difficile) — technisch moderat, aber ernsthaft wegen Höhe, Länge und dem Grand Couloir.

    Wann muss man den Grand Couloir queren?

    Vor 10 Uhr morgens — rund 75 % der Steinschläge ereignen sich laut einer Studie der Fondation Petzl zwischen 10 und 16 Uhr.

    Muss man das Refuge du Goûter reservieren?

    Ja, verpflichtend seit dem Präfekturerlass vom 31. Mai 2019, ausschließlich über montblanc.ffcam.fr.

    Wie lange dauert der Aufstieg vom Nid d'Aigle zum Refuge du Goûter?

    Rund 5 Stunden für einen akklimatisierten Bergsteiger: etwa 2 Stunden bis Tête Rousse, weitere 3 Stunden über den Grand Couloir bis zur Hütte.

    Seit wann steht das heutige Refuge du Goûter?

    Seit dem 27. Juni 2013 — ein ovoider, weitgehend energieautarker Neubau aus 128 Edelstahlpaneelen.

    Wie viele Unfälle passieren im Grand Couloir tatsächlich?

    Zwischen 1990 und 2017 zählte eine Fondation-Petzl-Studie 347 Rettungseinsätze, 102 Tote und 230 Verletzte — im Schnitt 3,7 tödliche Unfälle pro Sommersaison, die höchste Frequenz der Alpen.

    Quellen