Alpensteinbock vor der vergletscherten Gipfelkulisse des Gran-Paradiso-Massivs

    Gran Paradiso besteigen: Italiens einziger Viertausender und sein Nationalpark

    Geschrieben von Adrian ChelbaAlpinist, mehrfach am Mont Blanc über die Goûter-Route. Veröffentlicht am 8. September 2026

    Der Gran Paradiso (4.061 m) in den Grajischen Alpen ist der einzige Viertausender, der komplett auf italienischem Boden liegt. Der Normalweg führt von der Rifugio Vittorio Emanuele II (2.732 m) über den Gran-Paradiso-Gletscher zu einer felsigen Gipfelstelle mit Madonna-Statue — rund 1.330 Höhenmeter, mit einer kurzen, oft überlaufenen Kletterstelle (UIAA II) kurz vor dem Ziel. Der Berg liegt im gleichnamigen Nationalpark, dem ältesten Italiens.

    Das Wichtigste

    • Mit 4.061 m höchster Punkt der Grajischen Alpen — einziger Viertausender, der komplett auf italienischem Boden liegt (Aostatal/Piemont).
    • Erstbesteigung am 4. September 1860 durch die Briten J. J. Cowell und W. Dundas, geführt von J. Payot und J. Tairraz.
    • Normalweg ab der Rifugio Vittorio Emanuele II (2.732 m, Valsavarenche-Tal): rund 1.330 Höhenmeter über den Gran-Paradiso-Gletscher, Schlüsselstelle UIAA II unmittelbar vor der Gipfelstelle mit Madonna-Statue.
    • Nationalpark Gran Paradiso: gegründet 1922, ältester Nationalpark Italiens (70.318 ha) — entstanden aus dem königlichen Jagdrevier, das den Alpensteinbock vor dem Aussterben rettete.
    • Seit 1972 mit dem französischen Parc national de la Vanoise verschwistert — die grenzüberschreitend größte zusammenhängende Schutzzone Westeuropas.
    • Gilt als einer der am leichtesten ersteigbaren Viertausender der Alpen — an der Schlüsselstelle bildet sich in der Hochsaison dennoch regelmäßig ein Stau.

    Der einzige Viertausender ganz auf italienischem Boden

    Der Gran Paradiso (4.061 m) ist der höchste Gipfel der Grajischen Alpen und liegt an der Grenze zwischen dem Aostatal und Piemont. Anders als die meisten Alpen-Viertausender, deren Gipfel auf einer Staatsgrenze liegen, befindet sich sein gesamter Gipfelbereich auf italienischem Territorium. Vom Gipfel reicht die Aussicht vom Monviso bis zum Monte Rosa.

    Erstbesteigung 1860

    Am 4. September 1860 erreichten die britischen Alpinisten J. J. Cowell und W. Dundas, geführt von den Bergführern J. Payot und J. Tairraz, als Erste den Gipfel — über die noch heute als Normalweg genutzte Route.

    Normalweg: von der Rifugio Vittorio Emanuele II zur Madonna-Statue

    Ausgangspunkt ist Pont im Valsavarenche-Tal. Von dort führt der Zustieg zur Rifugio Vittorio Emanuele II (2.732 m, erbaut 1884), dem klassischen Stützpunkt für die Besteigung. Der Normalweg verläuft über Blockfelder und Moränen zum Gran-Paradiso-Gletscher und weiter zu einem zunehmend flachen Gipfelgrat.

    1.330 HmHöhendifferenz zwischen der Rifugio Vittorio Emanuele II (2.732 m) und dem Gipfel (4.061 m)Berechnet aus Hütten- und Gipfelhöhe

    Schlüsselstelleeine kurze, ausgesetzte Felsstelle (UIAA II) unmittelbar vor der Gipfelstelle mit der Madonna-Statue — mit Kette gesichert, in der Hochsaison häufig überlaufen.

    Praxistipp

    An der Schlüsselstelle bildet sich in der Hochsaison regelmäßig ein Stau. Empfohlen wird, den Gipfelaufbau im Uhrzeigersinn zu queren: Aufstieg und Abstieg über getrennte Passagen.

    Alternative: über die Rifugio Chabod

    Eine weniger begangene Variante führt von der Rifugio Chabod über den Laveciau-Gletscher zum sogenannten „Eselsrücken“-Grat und von dort zum Gipfelaufbau — landschaftlich reizvoll, aber weniger frequentiert als der Normalweg ab der Rifugio Vittorio Emanuele II.

    Nationalpark Gran Paradiso: vom königlichen Jagdrevier zum ältesten Park Italiens

    1856 erklärte König Vittorio Emanuele II. das Gebiet zum königlichen Jagdrevier — und rettete damit unbeabsichtigt den Alpensteinbock: Im gesamten übrigen Alpenbogen war die Art da bereits ausgerottet, nur im Grenzgebiet zwischen Gran Paradiso und der Vanoise überlebte eine letzte Population.

    1922Gründungsjahr des Nationalparks Gran Paradiso — ältester Nationalpark Italiens, 70.318 Hektar in Aostatal und PiemontWikipedia

    1920 schenkte König Vittorio Emanuele III. das Jagdreservat dem italienischen Staat, um daraus einen Park zu machen — 1922 wurde der Nationalpark Gran Paradiso offiziell gegründet.

    Zwillingspark mit der Vanoise

    Seit 1972 ist der Nationalpark Gran Paradiso offiziell mit dem angrenzenden französischen Parc national de la Vanoise verschwistert — eine direkte Folge der gemeinsamen Bemühungen um den Alpensteinbock. Zusammen bilden die beiden Kernzonen mit 1.250 km² die größte zusammenhängende Schutzzone Westeuropas.

    KennzahlWert
    Höhe4.061 m
    LageGrajische Alpen, Aostatal/Piemont (Italien)
    Erstbesteigung4. September 1860 (Cowell, Dundas, Payot, Tairraz)
    AusgangshütteRifugio Vittorio Emanuele II, 2.732 m (Valsavarenche-Tal)
    Höhenmeter ab Hütterund 1.330 Hm
    SchlüsselstelleUIAA II, kurz vor dem Gipfel
    Nationalpark gegründet1922 — ältester Nationalpark Italiens
    Nationalpark, Fläche70.318 ha (Aostatal und Piemont)
    ZwillingsparkParc national de la Vanoise (Frankreich), verschwistert seit 1972
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    FAQ

    Wie hoch ist der Gran Paradiso?

    4.061 m — der höchste Gipfel der Grajischen Alpen und der einzige Viertausender, der komplett auf italienischem Boden liegt.

    Wie schwer ist die Besteigung des Gran Paradiso?

    Er gilt als einer der am leichtesten ersteigbaren Viertausender der Alpen, mit einer kurzen, ausgesetzten Felsstelle (UIAA II) unmittelbar vor dem Gipfel.

    Was ist die Schlüsselstelle am Gran Paradiso?

    Eine kurze, mit Kette gesicherte Felsstelle (UIAA II) direkt vor der Gipfelstelle mit der Madonna-Statue — in der Hochsaison häufig überlaufen.

    Wo ist der Ausgangspunkt für die Besteigung?

    Pont im Valsavarenche-Tal, von dort zur Rifugio Vittorio Emanuele II (2.732 m), dem klassischen Stützpunkt für den Normalweg.

    Braucht man einen Bergführer für den Gran Paradiso?

    Gesetzlich nicht vorgeschrieben, aber wegen der Gletscherspalten und der überlaufenen Schlüsselstelle für die meisten Bergsteiger empfehlenswert.

    Wann wurde der Nationalpark Gran Paradiso gegründet?

    1922 — als ältester Nationalpark Italiens, aus dem königlichen Jagdrevier von 1856 hervorgegangen.

    Was hat der Alpensteinbock mit dem Nationalpark zu tun?

    Das königliche Jagdrevier von 1856 rettete die letzte überlebende Alpensteinbock-Population der Alpen vor dem Aussterben — daraus ging 1922 der Nationalpark hervor.

    Ist der Gran Paradiso mit einem französischen Park verbunden?

    Ja — seit 1972 ist der Nationalpark Gran Paradiso mit dem Parc national de la Vanoise verschwistert; gemeinsam bilden sie die größte zusammenhängende Schutzzone Westeuropas.

    Quellen