Das Massif des Écrins: Frankreichs Alpinismus-Wildnis für erfahrene Bergsteiger

    Das Massif des Écrins: Frankreichs Alpinismus-Wildnis für erfahrene Bergsteiger

    Geschrieben von Adrian ChelbaAlpinist, mehrfach am Mont Blanc über die Goûter-Route. Veröffentlicht am 28. Mai 2026 · Aktualisiert am 8. September 2026

    Die Barre des Écrins (4.102 m) ist der südlichste Viertausender der Alpen und der höchste Gipfel des Massif des Écrins — eines Gebirges mit ausgedehnter Gletscherwelt und kaum touristischer Erschließung. Anders als am Mont Blanc erfolgt der Zustieg meist zu Fuß, ohne Seilbahnunterstützung.

    Das Wichtigste

    • Höchster Gipfel: die Barre des Écrins, 4.102 m — südlichster Viertausender der Alpen, erstbestiegen am 25. Juni 1864 durch Edward Whymper und A. W. Moore mit den Bergführern Christian Almer und Michel Croz.
    • Nur zwei Gipfel über 4.000 m im Massiv: Barre des Écrins und Dôme de Neige des Écrins (4.015 m).
    • 150 Gipfel über 3.000 m im gesamten Massiv (Parc national des Écrins, Kernzone rund 93.000 ha).
    • Kaum Bergbahnen — der Zustieg erfolgt überwiegend zu Fuß.
    • Refuge du Promontoire (3.170 m): klassische Basis für die Barre des Écrins.
    • Seit 1980 sind über 60 einzelne Gletscher im Massiv verschwunden; die Gesamtfläche hat sich seit Parkgründung 1973 mehr als halbiert.

    Die Barre des Écrins (4.102 m)

    Mit 4.102 m ist die Barre des Écrins der höchste Gipfel des Massif des Écrins und der südlichste Viertausender der gesamten Alpen. Im Massiv gibt es nur zwei Gipfel über 4.000 m: die Barre des Écrins selbst und den benachbarten Dôme de Neige des Écrins (4.015 m).

    Erstbesteigung 1864: Whymper und der Nordhang

    Am 25. Juni 1864 erreichten der britische Alpinist Edward Whymper und A. W. Moore, geführt von den Bergführern Christian Almer und Michel Croz, als Erste den Gipfel — über den Nordhang und den seither „Whymper-Couloir“ genannten Rinnenzug im oberen Ostgrat. Whymper bestieg im selben Sommer mehrere weitere Écrins-Gipfel, ein Jahr vor seiner folgenschweren Matterhorn-Erstbesteigung.

    Eine ausgedehnte, schrumpfende Gletscherwelt

    Die Barre des Écrins ist von vier Gletschern umgeben: Glacier Blanc, Glacier de Bonne Pierre, Glacier du vallon de la Pilatte und Glacier Noir.

    > 50 %Rückgang der Gletscherfläche des gesamten Massivs seit der Parkgründung 1973, auf heute rund 7.120 HektarParc national des Écrins

    Zu beachten

    Seit 1980 sind über 60 einzelne Gletscher komplett verschwunden, die verbleibenden zu zwei Dritteln laut Prognose innerhalb der nächsten 30 Jahre. Der Glacier Blanc allein zog sich in 40 Jahren um mehr als 1 km zurück.

    150 Gipfel über 3.000 m

    Neben den beiden Viertausendern zählt der Parc national des Écrins (Kernzone rund 93.000 ha, gegründet 27. März 1973) 150 Gipfel oberhalb von 3.000 m — ein entsprechend großes Feld für Hochtouren jenseits der Barre des Écrins selbst.

    Kaum Bergbahnen: ein Massiv für Fußgänger

    Im Unterschied zum Mont-Blanc-Gebiet, wo Tramway und Téléphérique den Zustieg stark verkürzen, gibt es im Massif des Écrins kaum vergleichbare Bergbahnen. Der Zustieg erfolgt überwiegend zu Fuß, was das Gebiet insgesamt ursprünglicher und weniger touristisch erscheinen lässt.

    Refuge du Promontoire: klassische Basis für die Barre des Écrins

    Das Refuge du Promontoire (auch Refuge des Écrins genannt, 3.170 m) liegt auf einem Felsvorsprung oberhalb des Glacier Blanc und dient als klassischer Stützpunkt für die Normalroute zur Barre des Écrins. Der Zugang erfolgt von Pré de Madame Carle (1.874 m) über das Refuge du Glacier Blanc (2.542 m, rund 2 Std. 30 Min. Anmarsch).

    Die Meije (3.983 m): einer der letzten großen Alpengipfel

    Obwohl sie die 4.000-m-Marke nicht erreicht, gilt die Meije (3.983 m) als einer der letzten großen Alpengipfel, die bestiegen wurden: Nach rund zwanzig gescheiterten Versuchen anderer Seilschaften gelang den Bergführern Pierre Gaspard (Vater und Sohn) aus Saint-Christophe-en-Oisans mit ihrem 19-jährigen Kunden Emmanuel Boileau de Castelnau am 16. August 1877 die Erstbesteigung über die Südwand und den Arête du Promontoire.

    KennzahlWert
    Höchster GipfelBarre des Écrins, 4.102 m
    Erstbesteigung25. Juni 1864 (Whymper, Moore, Almer, Croz)
    Gipfel über 4.000 m im Massiv2 (Barre des Écrins, Dôme de Neige des Écrins)
    Gipfel über 3.000 m150
    Nationalpark, Kernzoneseit 27. März 1973, rund 93.000 ha
    Gletscherfläche heuterund 7.120 ha (mehr als halbiert seit 1973)
    Verschwundene Gletscher seit 1980über 60
    Klassische Hütte für die Barre des ÉcrinsRefuge du Promontoire, 3.170 m
    Goûter-Route auf den Mont Blanc
    Wetter- und Schneebedingungen im Hochgebirge
    Couloir du Goûter — exponierte Felspassage der Normalroute

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    FAQ

    Wie hoch ist die Barre des Écrins?

    4.102 m — der höchste Gipfel des Massif des Écrins und der südlichste Viertausender der Alpen.

    Wie viele Viertausender hat das Massif des Écrins?

    Genau zwei: die Barre des Écrins (4.102 m) und den benachbarten Dôme de Neige des Écrins (4.015 m).

    Welche Hütte dient als Basis für die Barre des Écrins?

    Das Refuge du Promontoire (3.170 m), oberhalb des Glacier Blanc gelegen.

    Ist das Massif des Écrins weniger erschlossen als Chamonix?

    Ja — es gibt kaum Bergbahnen, der Zustieg erfolgt überwiegend zu Fuß, was das Massiv ruhiger und ursprünglicher wirken lässt.

    Seit wann ist das Gebiet Nationalpark?

    Seit 27. März 1973 als Parc national des Écrins, zwischen den Départements Hautes-Alpes und Isère.

    Wer hat die Barre des Écrins zuerst bestiegen?

    Edward Whymper und A. W. Moore mit den Bergführern Christian Almer und Michel Croz, am 25. Juni 1864 über den Nordhang.

    Wie stark schmelzen die Gletscher im Massif des Écrins?

    Die Gesamtfläche hat sich seit Parkgründung 1973 mehr als halbiert (heute rund 7.120 ha); seit 1980 sind über 60 einzelne Gletscher komplett verschwunden.

    Was ist die Meije und warum gilt sie als besonderer Gipfel?

    Die Meije (3.983 m) zählt zu den letzten großen Alpengipfeln, die bestiegen wurden — nach rund 20 gescheiterten Versuchen anderer Seilschaften gelang die Erstbesteigung erst am 16. August 1877, den Bergführern Pierre Gaspard (Vater und Sohn) mit ihrem 19-jährigen Kunden Emmanuel Boileau de Castelnau.

    Quellen